Kosten beim Zahnarzt

Interview mit Dietrich Siepermann (Zahntechnikermeister)



Wir haben Herrn Siepermann (Zahntechnikermeister & Stellvertretener Obermeister der Zahntechniker Innung für den Regierungsbezirk Düsseldorf) ein paar Fragen gestellt und danken ihm sehr herzlich für seine interessanten Antworten:


Herr Siepermann, Sie sind Zahntechnikermeister und Stellvertretender Obermeister der Zahntechniker Innung. In kurzen Sätzen, wie sieht bitte ein ″gewöhnlicher″ Arbeitstag als Zahntechnikermeister aus? Inwiefern hat sich dieser Beruf in den letzten Jahrzehnten verändert, beispielsweise durch die moderne 3D-Drucker-Technologie?

Herr Siepermann: Ein normaler Arbeitstag findet heute nicht nur am Labortisch sondern auch am Computerarbeitsplatz statt. Die neuen Technologien erfordern vom Zahntechnikermeister ständige Fortbildungen. Ansonsten gibt es keinen ″typischen Arbeitstag″, denn wir fertigen jeden Tag Unikate mit den verschiedensten Techniken an.



Inwiefern habe ich als Patient die Möglichkeit, durch ein Dentallabor für meinen neuen Zahnersatz zu sparen? Ist es eigentlich realistisch, dass ich meinem Zahnarzt auferlege, dass er mir meine neue Zahnkrone durch mein gewähltes Dentallabor einsetzt?

Herr Siepermann:

  • Der Behandler muss nicht zwingend mit dem Meisterlabor zusammenarbeiten, welches der Patient vorschlägt. Verlangt der Patient dies dennoch, so kann er jederzeit den Behandler wechseln und sich eine andere Praxis aussuchen, die seinem Wunsch nachkommt.
  • Da das praxiseigene Labor des Zahnarztes weder einem Preis- noch einem Leistungswettbewerb unterliegt, kann der Zahnersatz aus dem gewerblichen Meisterlabor oft günstiger sein.

Erklärungen zum Hintergrundverständnis:

  • Es gibt das zahntechnische Gewerbelabor als Meisterbetrieb (Dentallabor) und das praxiseigene Labor des Zahnarztes (Zahnarztlabor oder Praxislabor). Das Zahntechnikerhandwerk unterliegt der Handwerksordnung und damit der Meisterpräsenz. Es ist ein ″gefahrengeneigter Beruf″ und in die ″Handwerksrolle″ werden nur Meisterbetriebe eingetragen.
  • Dagegen ist das Praxislabor nicht verpflichtet, einen Meister einzustellen, da der Zahnmediziner die Aufsichtspflicht hat.
  • Der Behandler (Zahnarzt/Zahnärztin) mit eigenem Praxislabor wird in der Regel versuchen, die Patienten für den Zahnersatz aus seinem Praxislabor zu überzeugen, weil er dies natürlich umsatzmäßig auslasten möchte und die finanzielle Situation der Patienten einschätzen kann.
  • Der Behandler ohne Praxislabor wird sich dagegen den besten Meisterbetrieb aussuchen, um die wirklich optimale Versorgungsform auszuwählen, ohne auf eine Einschränkung des technischen Fortschritt zu verzichten und ohne auf den Zusatzverdienst aus einem Praxislabor zu rechnen.





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Was sind Ihrer Meinung nach die fünf besten Tipps für unsere Leser, damit Sie beim Zahnersatz sparen können?

Herr Siepermann: Allgemeine Antwort : Ein Zahnersatz, der ein wenig teurer ist, aber dafür längere Zeit im Munde des Patienten verweilt, kann im Endeffekt wesentlich preiswerter sein.
Es stellt sich dabei die Frage: Braucht denn jeder Patient eine perfekte Ästhetik, eine einwandfreie Funktion und biokompatible Materialien?

  • In der Regel besteht ein vertrauensvolles Zahnarzt - Patientenverhältnis. Deshalb kann der Patient bei seinem Heil- und Kostenplan davon ausgehen, dass die Versorgung zahnmedizinisch und wirtschaftlich gut geplant ist.
  • Hat die Praxis einen guten Ruf ? (Bekannte fragen, die in dieser Praxis mit Zahnersatz versorgt wurden. Internetbewertungen sind selten verlässlich.)
  • Ein ausführliches Beratungsgespräch durch den Zahnarzt verlangen. Fragen stellen: Wird mit einem Anbieter von Auslandszahnersatz zusammengearbeitet? Bekommt der Patient die Originalrechnung und die Konformitätserklärung des Hersteller? Welche Qualität wird garantiert? Ist dort ein Zahntechnikermeister im Produktionsverfahren beteiligt und sind die Materialien alle zertifiziert?
  • Falls nicht vor Behandlungsbeginn bereits mit einem Meisterlabor Kontakt bestand, ist anzuraten, ein gewerbliches zahntechnisches Meisterlabor aufzusuchen und sich über die technische Ausführung und die damit verbundenen Material und Laborkosten (Mat.- u. Lab.- Kosten) beraten zu lassen.
  • Falls die Praxis ein eigenes Labor betreibt, ist eine genaue Überprüfung des technischen Ausführungsplanes und der damit verbundenen Kosten zu empfehlen (z.B. Auskünfte bei Zahntechnikerinnungen einholen).


Was halten Sie eigentlich von den Zahnarzt-Preisvergleichs-Portalen wie Dentolo, Medikompass und Co? Der Patient hat online auf diesen Portalen relativ schnell die Möglichkeit seinen Zahnersatz günstiger zu erhalten. Ist Ihrer Meinung nach der Patient wirklich gewillt, seinen Zahnarzt zu wechseln, um über 30% der Kosten zu sparen?

Herr Siepermann: Diese Vergleichsportale urteilen nur anhand eines Planes, ohne den Patienten gesehen zu haben. Dazu werden dann Preise genannt und fremde Praxen empfohlen. Dies bedeutet, dass hier häufig Äpfel mit Birnen verglichen werden. Im Übrigen sollte der Patient bei Preisnachlässen (von 30% + ?) nachfragen, wodurch das Sparpotenzial entsteht. Verzichtet der Zahnarzt auf einen Teil seines Honorars oder werden nur die Laborleistungen billig, z.B. im Ausland eingekauft?



Welche positiven Aspekte können Zahnarztlabore für uns Patienten haben?

Herr Siepermann:

  • Ein Vorteil des Zahnarztlabors sind die kurzen Wege bei Instandsetzungen oder Nacharbeiten.
  • Der Praxis-Zahntechniker kann den Patienten am Behandlungsstuhl sehen und ev. Anpassungen vornehmen.
    Aber:Bei der Zusammenarbeit mit einem gewerblichen Meisterlabor wird bei vielen Versorgungen ebenfalls der Zahntechnikermeister in die Praxis bestellt, um den Behandler zu unterstützen und auf Patientenwünsche einzugehen.
  • Instandsetzungsarbeiten werden auch in wenigen Stunden vom Meisterbetrieb fertiggestellt.

Erklärungen zum Hintergrundverständnis:

Das Praxislabor wurde 1953 (Ulmer Abkommen) für die damaligen Dentisten weiterhin als Nebenbetrieb genehmigt, da die Dentisten die Ausbildung zur Zahntechnik erlernt hatten. Die heutigen Zahnärzte dagegen durchlaufen ihr Studium nur mit geringen Kursanteilen für zahntechnische Herstellungsverfahren. Deshalb können sie einfach nicht die Kompetenz eines Zahntechnikermeisters besitzen.



Die 3D-Drucker-Technologie für Zahnprothesen-Herstellung schreitet stetig voran. Sehen Sie den Beruf des Zahntechnikers zukünftig in Gefahr?

Herr Siepermann: Das gewerbliche Meisterlabor wird immer mehr mit CAD-CAM Maschinen und den 3D-Druckern in der Zukunft arbeiten. Die am PC konstruierten Produkte, wie auch der manuell hergestellte Zahnersatz sind alle Einzelanfertigungen. Sie sind nur nach einer hochwertigen Ausbildung und nach vielen Berufsjahren mit großer Erfahrung von einem Zahntechniker herzustellen. Mit den entsprechenden Vorarbeiten eines erfahrenen Behandlers kann der gewünschte gute Erfolg für den Patienten garantiert werden. Deshalb sehen die Zahntechniker ihren Beruf letztendlich nicht in Gefahr.



Warum misstrauen eigentlich so viele Patienten ihren Zahnärzten?

Herr Siepermann:

  • Nach einer Untersuchung der ″Weißen Liste″ aus dem Jahre 2015 ist der weitaus größte Teil der Patienten mit ihrem Zahnarzt zufrieden.
  • Die meisten Patienten suchen seit Jahren den gleichen Zahnarzt auf und drücken dadurch ihre Zufriedenheit aus. Sollte dennoch Grund zum Misstrauen vorhanden sein, dann kann dies vielschichtig sein. Pauschal ist das nicht durch einen Zahntechniker zu beantworten.



Zahnersatz günstiger aus China, ist das wirklich ratsam für Patienten?

Herr Siepermann:
Erklärungen zum Hintergrundverständnis:
Der Zahnersatz aus China oder anderen Ländern ist nicht generell zu verurteilen, wenn er der deutschen Qualität entspricht. Fragen wir uns aber mal nach den globalen Folgen, dann gibt es eine Reihe von Gründen, die den Auslandszahnersatz in Misskredit bringen. Was der einzelne Patient sicher nicht bedenkt, ist folgendes:

  • Die Bezuschussung der Kosten bei Zahnersatz werden aus deutschen Lohnnebenkosten bereitgestellt und sollten eigentlich dem deutschen Markt auch wieder zufließen.
  • Die im Festzuschuss enthaltenen Anteile für die Herstellung des Zahnersatzes sollen ca. 50 % der deutschen Herstellungskosten betragen. Da jedoch das Preisgefüge im Ausland nur einen Bruchteil der deutschen Kosten beträgt, ist dadurch der Festzuschussanteil (Zahntechnik) viel zu hoch bemessen. Dieser zu hohe Festzuschuss fließt dem Festzuschussanteil des Zahnarzthonorars zu, so dass der Zahnarzt seine zahnärztliche Leistung besser verkaufen kann und somit ein großes Interesse am Auslandszahnersatz gegeben ist.
  • Ein oft genutztes Verfahren von Praxislaboren wird in dem Zusammenhang gesehen, dass der eingekaufte Auslandszahnersatz nicht als EINKAUF angegeben wird, sondern durch das Praxislabor als Eigenherstellung mit Eigenbeleg abgerechnet wird. Dies ist schon deshalb Betrug, weil der Patient über die Herkunft keine ehrliche und transparente Auskunft erhält. Auf diese Weise wird der Patient betrogen. Hinzu kommt erschwerend, dass eingekaufte Leistungen nach der privaten GOZ dem Patienten nur in Höhe der entstandenen Auslagen berechnet werden dürfen.


Wie sehen Sie die Rolle der gesetzlichen Krankenkassen bezüglich der Regelversorgung? Sollte die Krankenkasse nicht frühzeitige Prophylaxe-Maßnahmen bezuschussen & forcieren, um eventuell in späteren Jahren die Kosten für Zahnersatz zu minimieren?

Herr Siepermann: Bei dieser Frage ist nicht nur die Regelversorgung betroffen. Ich kann Ihnen bei der Prophylaxe Überlegung aber voll zustimmen. Es wurde seit Jahren bereits viel verbessert, aber es kann noch mehr aufgeklärt werden. Bei der Versorgung mit Totalprothesen können wir heute feststellen, dass diese Fälle zahlenmäßig abgenommen haben und erst in einem späteren Lebensalter notwendig werden. Auch bei festsitzendem Zahnersatz wird in einem höheren Lebensalter Zahnersatz notwendig.



Ich bekomme häufig Hilfe-Anfragen von meinen Lesern, dass ihre Zahnprothese gebrochen ist. Was würden Sie raten, damit die Zahnprothese möglichst schnell repariert wird? Soweit ich weiß, darf der Zahntechniker als Patient nicht direkt kontaktiert werden? Und wer haftet für die Kosten?

Herr Siepermann:

  • Dass der Patient bei einer gebrochenen Prothese erst den Zahnarzt aufsuchen muss und dieser dann die zu reparierende Prothese zum Zahntechniker schickt, ist so in der Sozialgesetzgebung geregelt.
  • Wenn der herausnehmbare Zahnersatz innerhalb der 2-jährigen Gewährleistungsfrist bricht oder ein Teil davon repariert werden muss, hat die Wiederherstellung kostenlos zu erfolgen. Wird jedoch festgestellt, dass ein Verschulden des Patienten vorliegt, dann ist der volle Reparaturanteil zu bezahlen.
  • Bei einer zukünftigen Gesetzesänderung können wir Meisterlabore uns jedoch vorstellen, für eine direkte Patientenbeziehung eine Regelung zu suchen und zu finden.



Auf welchen neuen fortschrittlichen Technologien im Bereich Zahnmedizin können wir uns in der Zukunft freuen, die uns Patienten das Leben mit den Zähnen erheblich leichter machen? Beispiel: Warum müssen wir eigentlich wegen Karies immer noch zum Zahnarzt?

Herr Siepermann:
Allgemeine Antwort :Die Implantologie, sowie die CAD-CAM- und 3D-Technik hat allen Beteiligten viel Gutes gebracht:

  • Den Patienten bringt es eine hervorragende Möglichkeit, den Zahnersatz fast ohne Einschränkungen in allen Situationen wie eigene Zähne zu nutzen und sich damit zu zeigen;
  • den Zahnärzten, weil die neuen Techniken ein erweitertes interessantes Aufgabengebiet eröffneten und damit gutes Einkommen zu erzielen ist;
  • uns Zahntechnikern, weil die neuen Techniken wie bei den Zahnärzten ähnliche Möglichkeiten eröffnen;
  • bei der Industrie, weil die neuen Techniken auch dort zusätzliche Aufträge und Erträge generieren.
  • Die Karies ist nicht zu besiegen, wenn der Patient nicht die entsprechende Mundhygiene durchführt. Insgesamt ist aber festzustellen, dass der Anteil der Karies rückläufig ist.






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500 bis 2.000 Euro betragen die Zahnprothesen Kosten

500 bis 1.200 Euro betragen die Zahnkrone Kosten

900 bis 4.100 Euro betragen die Zahnimplantate Kosten

300 bis 2.500 Euro betragen die Zahnbrücken Kosten


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