Kosten beim Zahnarzt

Interview mit Dieter Jobst von Aubacke.eu und Autor des Buches "Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung"



Wir haben Herrn Jobst, Autor des Buches "Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung" ein paar Fragen gestellt und danken ihm sehr herzlich für seine interessanten Antworten:


Was war Ihre Intention das Buch „DU, DEIN ZAHNARZT UND ICH, im Untertitel: Au Backe. Alles ohne Betäubung“ zu schreiben?

Dieter Jobst: Ich bin Zahntechnikermeister mit langer und umfangreicher Beruferfahrung. Als Jung-Geselle arbeitete ich im Praxislabor eines Zahnarztes. Statt zu einem Kollegen zu gehen, zog der sich in einer Mittagspause einen Zahn selbst. Seine Begründung: „Sie glauben doch nicht dass ich damit zu einem Kollegen gehe, ich sehe doch täglich, welchen Mist die machen“.
Vermutlich nicht nur Zahntechniker kennen den Ausspruch des Kollegen „darüber müsste man mal ein Buch schreiben.“
Dieser durchaus schöne und so hoch eingeschätzte Beruf ist ein Sammelbecken von Kuriositäten. Freilich auch von solchen bei denen man nicht weiß ob man lachen oder eher weinen soll.
Der einzige Auftraggeber für den Zahntechniker ist per Gesetz nur der Zahnarzt. Und diese Abhängigkeit nimmt teilweise skurrile Formen an. Die nicht nur einmal zum wirtschaftlichen Zusammenbruch eines Labors geführt haben.
Ein weiterer Grund diesen „Ratgeber“ zu schreiben war die von mir festgestellte „Ahnungslosigkeit“ vieler Patienten was ihre Zahnbehandlung angeht. „Was soll denn gemacht werden“ wurde zu gefühlten 99% beantwortet mit „weiß ich gar nicht. Eine Krone glaub ich.“ „Aus welchem Material“? (Mundwinkel gehen nach unten) „Weiß ich nicht“.
Im Buch werden deshalb verschiedene Kronen- und Materialarten genannt.



Haben Sie aufgrund Ihres sehr lesenswerten Buches Beschwerdebriefe von Zahnärzten erhalten?

Dieter Jobst: Eher die lieben Kollegen haben sich darüber mokiert. Hieß es zuerst „Jawoll, genau so isses“ wurde sich dann aber entrüstet abgewendet und beschlossen dieses Buch totzuschweigen. Als Ursache wurde nun angeführt, dass als Sparpotenzial für Patienten auch Auslandszahnersatz angesprochen wird. Igitt.
Einige sehen hierin Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland. Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten. Darauf gehe ich im Buch ebenfalls ein. Ich selbst betreue seit 1998 Firmen, die Auslandszahnersatz importieren und selbst als kritischer Zahntechnikermeister muss ich zugeben, dass die Kollegen im Ausland es auch können. Und zu einem unvergleichlich günstigen Preis.
Schauen Sie, Autos, Unterhaltungselektronik, Motorräder, Bootsmotoren, Smartphones,selbst die, die ein Stück Obst als Logo haben, werden seit Jahrzehnten in Asien produziert und finden hier im Land begeisterte Abnehmer.
Warum sollte das mit Zahnersatz nicht möglich sein? Zahntechnik ist kein geschütztes Biotop. Ein anderer Kollege sah die Zahnärzte durch das Buch ungerecht behandelt. Das gesamte Berufsleben durch sie finanziert zu haben und jetzt „ohne Betäubung“ die Karten einmal auf den Tisch zulegen, hielt er für geschmacklos.



Wie wichtig ist ein Allergietest für Zahnersatz? Warum wird das in vielen Zahnarztpraxen nicht standardmäßig durchgeführt?

Dieter Jobst: Ich selbst halte das Thema Allergie für hochaktuell und äußerst wichtig. Und freue mich über jeden Patienten, der sich über die Materialbeschaffenheit seines Zahnersatzes Gedanken macht, nachfragt und einen Allergietest in Erwägung zieht. In meinem Ratgeber gibt es auch dazu ein Kapitel.
Warum in vielen Zahnarztpraxen nicht standardmäßig und rein prophylaktisch über Allergietests nachgedacht wird, sollte die Zahnärzteschaft gefragt werden. Aber auch viele Zahntechniker stehen der Thematik scheinbar gleichgültig gegenüber. Nicht selten wird allein schon das Ansinnen verlacht.



Sind nach Ihren Erfahrungen jüngere oder ältere Zahnärzte die „besseren“ Zahnmediziner? Nach meinen Erfahrungen sind ältere Zahnärzte vertrauenswürdiger.

Dieter Jobst: Das Alter des Behandlers ist für mich zweitrangig.
Für mich als Zahntechniker ist der bessere Zahnmediziner, der, der mir brauchbare Zahnabdrücke liefert. Bei denen ich nicht raten muss, ob das, was ich da vor mir sehe, ein X oder ein U sein soll.
Die Zahnabdrücke sind für jeden Techniker die einzige und alles entscheidende Arbeitsunterlage für die neuen Zähne der Patienten. Kein Maurer wird ein Haus bauen können, wenn seine Unterlagen, in dem Fall die Zeichnungen des Architekten, an Präzision zu wünschen lassen. Keine Maschine wird auf Anhieb funktionieren, wenn die Konstruktionspläne hingezittert wurden.



Sind haben geschrieben, dass man idealerweise beim Zahntechniker den besten Zahnarzt finden kann. Warum machen das die wenigsten Patienten?

Dieter Jobst: Habe ich das so geschrieben? Ich glaube nicht. Ich habe eher geschrieben dass der Techniker einen oder mehrere gute Zahnärzte wird nennen können, weil er deren für ihn wichtige Arbeitsweise kennt.
Ich selbst habe und hatte Behandler auf meiner Kundenliste zu denen ich niemals einen Auskunftssuchenden würde hinschicken. Leider.



Sollte ein Patient, der teuren Zahnersatz benötigt immer eine zweite Zahnarztmeinung einholen oder direkt zum Zahntechniker ?

Dieter Jobst: Egal ob Zahnersatz umfangreich und teuer wird, ich rate immer zur Einholung einer Zweitmeinung. Zum Zahntechniker würde ich gehen, um mir die geplante technische Lösung erklären zu lassen, damit ich die verstehe. Und zu fragen, welche andere technische Lösung es geben könnte. Wobei der Techniker natürlich nicht um die medizinischen also diagnostischen Gegebenheiten beim Patienten weiß.
Vielleicht kann ja eine andere technische Lösung nicht angewendet werden, weil medizinisch nicht möglich.



Was halten Sie generell von den Bewertungsportalen für Zahnärzte ? Beispielsweise Jameda und Co?

Dieter Jobst: Die haben sicherlich ihre Berechtigung zur Meinungsfindung. Allerdings sind die Meinungen ja auch dort subjektiv. Der eine Patient fühlte sich gut behandelt, ein Anderer geht zu diesem Behandler niemals mehr. Über die Qualität der fachlichen Arbeit lässt sich dort meines Erachtens wenig erfahren. Und selbst die Nennung in einem Hochglanzmagazin sehe ich nicht als Qualitätsnachweis. Höchstens als willkommene Werbung für die Praxen. Ich selbst kenne solche bejubelten Zahnpraxen, sogar von innen und stelle fest, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Das Tier- oder Landschaftsvideo über dem Behandlungsstuhl gibt mir keine Auskunft über die Behandlungsqualität.



Nennen Sie bitte unseren Lesern fünf Punkte, wie sie idealerweise Geld beim Zahnarzt sparen können.

Dieter Jobst: Nun, gleich fünf Möglichkeiten zu nennen wird vielleicht etwas schwierig. Zudem ist der Begriff „sparen“ weit gefächert. Und Äpfel dürfen nicht mit Birnen verglichen werden. Zudem steht dem Zahntechniker, auch dem Meister die Kritik am Therapievorschlag des Zahnarztes nicht zu. Gedanken darf man sich aber schon machen.
Eines steht fest: Wenn Zähne verloren gegangen sind, erhöht Zahnersatz wieder die Lebensqualität und die Gesunderhaltung durch eine wiederhergestellte Kaufunktion. Und ein hochwertiger Zahnersatz kann gut dazu beitragen.
Hochwertig ist nicht gleichzusetzen mit „am Teuersten.“ Hochwertig ist Zahnersatz wenn er Sinnvol ist. Und mancher Zahnersatz war und ist völlig überkonstruiert. Und somit „am Teuersten“.
Geht es darum möglichst wenig Geld zu bezahlen, muss der Patient die für seinen Fall mögliche Minimalversorgung wählen. Es könnte aber sein, dass ihm die nicht gefällt. Ich nehme gern den Vergleich beim Auto. Eine Vergleichweise luxuriöse Reiselimousine wird es für den Gegenwert eines simplen Kleinwagens nicht geben. Die Freude am kleinen Preis dauert vermutlich weniger Lange als der Ärger über den nicht vorhanden Komfort. Diese abgewandelte Feststellung Henry Fords kann auch bei Zähnen gelten.

2. Prüfen, ob es zwingend die vom Behandler vorgeschlagene technische Lösung sein muss:
Nicht selten ist eine vergleichbare Lösung eben so tauglich aber preisgünstiger. Und bitte, mit „ebenso tauglich“ sollen hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden.

3. Den Kostenvoranschlag für die prothetische Versorgung mit einem Zahntechniker besprechen:
Mit dem Ziel zu erfahren ob es eine preislich günstigere, aber vom Komfort her vergleichbare Techniklösung gibt. Jede Lösung wird aber auch ihre Vor- und Nachteile haben. Bitte lassen Sie sich genau informieren, nach Terminabsprache macht der Techniker das gern. Eines ist aber sicher: Wenn der Patient aufgrund der Informationen durch das Labor wieder beim Behandler vorspricht und Fragen stellt, wird der selten begeistert sein. Ich wurde aufgrund eines solchen Gespräches auch schon vom Zahnarzt angerufen und gefragt, was ich mir erlaube.

4. Zweitmeinung einholen:
Gehen Sie in eine andere Praxis und holen Sie sich dort eine Zweitmeinung. Scheuen Sie sich nicht davor! Bei Fernsehern und Spielekonsolen machen wir das ständig. Nur wenn es um unsere Zahngesundheit geht, entwickeln wir Blockaden.
Wie sinnvoll die Zweitmeinung ist, habe ich ganz konkret erlebt. Die konsultierte Zweitmeinungspraxis darf den Heil- und Kostenplan (HKP) einer anderen Praxis nicht einfach so übernehmen, sondern muss den neu erstellen, also neu berechnen. In diesem Fall hatte es aber auch Vorteile, besonders für die Patientin. Das Erwähnenswerte an diesem neuerlichen HKP war, dass sogar die Honorarkosten niedriger waren als in der ersten Praxis, der Zuschuss der Krankenkasse aber höher angesetzt und auch bewilligt wurde. Dank Zweitmeinung. Ob ein Zweitmeinungsportal hilfreich ist?
Dem Bieter liegt der Kostenplan vor und aufgrund der dortigen Planung macht er sein Angebot. Als Zweitmeinung im klassischen Sinne, sehe das nicht. Eher als eine weitere Angebotsabgabe für eine genau bestimmte Leistung.

5. Wenn der Patient Zahnersatz benötigt und auch nicht zwei Hände braucht, um sein Geld auszugeben, sollte er den Behandler nach Auslandszahnersatz fragen. Und nicht abweisen lassen! Gern genommene Ausrede: Wollen wir nicht, kennen wir nicht, haben wir noch nie gemacht. Gegebenenfalls holt sich der Patient eine Zweitmeinung ein. Es ist ja sein Geld, das er hinlegt. Und er sollte im vieles wissenden Internet nach Importzahnersatz suchen! Dort wird er fündig.



Weitere Infos über "Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung" im Video (Quelle Youtube)




Ansonsten direkt hier weitere Infos zum Buch
Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung
Ich habe es gelesen und kann es wirklich nur empfehlen ! Absolut lesenswert.


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Tobias Henze (Zahnarzt-Preisvergleich.com)

Interview mit Florian Meier (Waizmanntabelle)

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